Haben Sie heute schon gegen ein störrisches System gekämpft? Mussten Sie länger bleiben, weil die Software mehr Zeit fürs Hochfahren als für Ihre eigentliche Arbeit brauchte? Sie sind nicht allein. Das „Reiben an der Technik“ oder das Erledigen von Aufgaben, die durch schlechte IT-Systeme kompliziert werden, wird von Vorgesetzten gerne als notwendiger Teil der „Herausforderung“ oder des „Team-Zusammenhalts“ normalisiert.

„This is the work“: Konzerne gehen großzügig mit der Zeit ihrer Mitarbeiter um. Und warum auch nicht?
Gerade in Bereichen mit außertariflicher Bezahlung (AT) gilt Mehrarbeit oft als mit dem Grundgehalt abgegolten. Überstunden werden fast selbstverständlich erwartet. Wer nicht mitspielt, muss um Schmälerung oder Verlust von Bonus- oder variablen Gehaltsanteilen bangen. Absurde Zielvereinbarungen oder unrealistische Abteilungsziele sorgen dafür, dass das Management immer einen Hebel hat, um Belohnungen im Zweifelsfall zu verweigern.
Kollaborative Mehrarbeit: Der kulturelle Druck
Auch wenn Überstunden nicht explizit gefordert werden, entsteht oft ein starker kultureller und psychologischer Druck, die Arbeit fertigzustellen, selbst wenn dies außerhalb der regulären Arbeitszeit geschieht. Wer sich weigert, riskiert, als nicht engagiert oder leistungsschwach wahrgenommen zu werden. Dieser Druck erzeugt die „Kollaborativen Überstunden“.
Das Problem: Engagement wird nicht an klug genutzter, produktiver Zeit gemessen, sondern am Absitzen der Zeit, die notwendig ist, um schlecht designte Prozesse zu besiegen. Wer nicht mitmacht, riskiert, kaltgestellt zu werden – das Ende der Karriereleiter.
Aber was kommt dabei heraus? Was ist eigentlich Karriere? Wenn Sie die „Kollaborativen Überstunden“ brav schlucken, um als engagiert zu gelten, wird dies vom Management oft als Kapazität interpretiert, nicht als Ineffizienz-Ausgleich. Dies führt direkt in die Karrierefalle.
Die Karrierefalle: Haben Sie hart gearbeitet und sind immer brav 10 Stunden im Büro geblieben, um den nächsten Schritt zu machen? Herzlichen Glückwunsch! Ihr nächster Karriereschritt belohnt Sie dann möglicherweise damit, dass Sie ab sofort 12 Stunden absitzen dürfen – denn das System geht davon aus, dass Sie diese Zeit leisten können. Jedenfalls so lange, bis die „Künstliche-Intelligenz“ all unsere Probleme beseitigen wird.
Die tatsächliche Leistung – die Kreativität, die Strategie, die innovative Idee – geht in der aufgezwungenen „Verwaltungsarbeit des Scheiterns“ unter.
Echte Teamkollaboration bedeutet, gemeinsam erfolgreich zu sein, nicht, gemeinsam unter schlechten Bedingungen zu leiden.